E-Auto mit Solarstrom laden: So rechnet sich dein Dach
Seit dem 1. August 2026 gibt es für neue PV-Anlagen bis 10 Kilowattpeak noch 7,70 Cent pro eingespeister Kilowattstunde – Netzstrom kostet dich im Schnitt 37 Cent. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt der ganze Reiz des Themas: Jede Kilowattstunde Sonnenstrom, die in deinen Autoakku statt ins Netz fließt, ist rund 30 Cent wert. Wie du das technisch löst, was realistisch drin ist und was du ganz ohne eigenes Dach vom Solarboom hast, klären wir hier.
Die Rechnung: 7,70 Cent fürs Einspeisen, 37 Cent fürs Zurückkaufen
Die Einspeisevergütung sinkt planmäßig alle sechs Monate. Für Anlagen bis 10 kWp, die seit dem 1. August 2026 in Betrieb gehen, zahlt der Netzbetreiber bei Teileinspeisung noch 7,70 Cent pro Kilowattstunde, bei 10 bis 40 kWp sind es 6,66 Cent – die aktuellen Sätze veröffentlicht die Bundesnetzagentur in ihrer EEG-Fördersatz-Übersicht. Auf der anderen Seite steht dein Stromtarif: Haushalte zahlen 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse im Schnitt 37,0 Cent pro Kilowattstunde.
Ein Rechenbeispiel. 15.000 Kilometer im Jahr, 18 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer – macht rund 2.700 kWh. Lädst du die Hälfte davon aus der eigenen Anlage, ersetzt du 1.350 kWh Netzstrom durch Sonnenstrom. Differenz pro Kilowattstunde: gut 29 Cent. Ersparnis: knapp 400 Euro. Jedes Jahr.
Ganz gratis ist der eigene Strom übrigens nicht. Das Fraunhofer ISE beziffert die Stromgestehungskosten kleiner PV-Dachanlagen auf 6,4 bis 13,0 Cent pro Kilowattstunde (Aktuelle Fakten zur Photovoltaik, PDF). Selbst im teuersten Fall lädst du zu Hause also für etwa ein Drittel des Netzpreises – und für einen Bruchteil dessen, was Schnelllader unterwegs verlangen.
Interessant ist auch der Vergleich mit dem Heimspeicher. Dessen Batteriekapazität kostet laut derselben Fraunhofer-Auswertung je nach System 400 bis 1.000 Euro pro Kilowattstunde – der Akku in deinem Auto ist dagegen längst bezahlt und meist um ein Vielfaches größer als ein typischer Kellerspeicher. Wer sein E-Auto tagsüber zu Hause stehen hat, besitzt den günstigsten Solarspeicher also bereits.
Überschussladen: So kommt die Sonne in den Akku
Die passende Technik heißt PV-Überschussladen. Ein Energiemanager misst am Netzanschlusspunkt, wie viel Solarstrom dein Haus gerade übrig hat, und regelt die Ladeleistung der Wallbox laufend nach. Das Auto bekommt nur den Strom, der sonst für 7,70 Cent ins Netz gegangen wäre.
Überschussladen: Die Wallbox passt die Ladeleistung laufend an den Solarertrag an.
Zwei Eckwerte entscheiden, wie gut das klappt. Einphasig startet eine Wallbox ab etwa 1,4 Kilowatt Überschuss (6 Ampere), dreiphasig erst ab rund 4,2 Kilowatt. Liefert dein Dach mittags 3 Kilowatt übrig, lädt eine rein dreiphasig angeschlossene Box: gar nicht. Wallboxen mit automatischer Phasenumschaltung lösen genau das – sie beginnen einphasig und schalten erst bei großem Überschuss auf drei Phasen um.
Es geht auch ohne neue Hardware. Viele Autos und Wallboxen lassen sich per Timer auf die Mittagsstunden programmieren, wenn die Anlage am meisten liefert. Das ist gröber als echtes Überschussladen, kostet aber nichts extra. Denk in jedem Fall an die Anmeldung der Wallbox beim Netzbetreiber – und wenn du zur Miete oder in einer Eigentümergemeinschaft wohnst, findest du im Ratgeber zur Wallbox im Mehrparteienhaus den rechtlichen Rahmen.
Seit 2024 gilt außerdem: Neue Wallboxen sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf die Ladeleistung in Ausnahmefällen zeitweise drosseln, im Gegenzug zahlst du reduzierte Netzentgelte. Fürs Solarladen ist das in der Praxis kein Nachteil – gedimmt wird, wenn das Netz überlastet ist, nicht wenn dein Dach gerade liefert.
Drei ehrliche Grenzen: Pendeln, Winter, Balkonkraftwerk
Erstens: Wer pendelt, steht mittags nicht in der eigenen Einfahrt. Der 50-Prozent-Anteil aus dem Rechenbeispiel gelingt vor allem mit Homeoffice-Tagen, Wochenendladung oder einem Heimspeicher. Für klassische Pendler sind eher 20 bis 30 Prozent realistisch – die Ersparnis schrumpft, verschwindet aber nicht.
Zweitens: der Winter. Zwischen November und Februar liefert eine Dachanlage nur einen Bruchteil ihres Sommerertrags, fürs Auto bleibt dann oft nichts übrig. Rechne die Bilanz übers Jahr, nicht über den August.
Drittens: Ein Balkonkraftwerk lädt kein Auto. Dessen maximal 800 Watt Einspeiseleistung liegen unter den 1,4 Kilowatt, die eine Wallbox mindestens braucht. Als Haushaltsstrom-Sparer sinnvoll, als Ladekonzept nicht.
Kein eigenes Dach? So nimmst du den Sonnenstrom trotzdem mit
Für Laternenparker und Mieter ohne Stellplatz läuft der Solareffekt über den Strommarkt statt übers eigene Dach. An sonnigen Mittagen drückt der viele Solarstrom die Börsenpreise, und Anbieter mit dynamischen Tarifen geben das an öffentlichen Säulen weiter – wie das funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu dynamischen Ladepreisen.
Ein zweiter Hebel: Supermärkte und Möbelhäuser mit eigenen PV-Dächern geben günstigen Strom teils direkt an ihre Kunden weiter. AC-Säulen am Einzelhandel gehören in unseren Daten regelmäßig zu den günstigsten öffentlichen Ladepunkten überhaupt – wo es sie gibt und was sie kosten, steht im Ratgeber kostenlos und günstig beim Einkaufen laden.
In unseren Live-Preisdaten sehen wir aktuell eine Spanne von 29 bis über 70 Cent pro Kilowattstunde – teils bei Säulen, die nur ein paar hundert Meter auseinanderliegen. Genau dafür gibt es die LadeSofort-Karte: Sie zeigt dir Preis und Verfügbarkeit, bevor du losfährst, in sonnenverwöhnten Städten wie Freiburg im Breisgau genauso wie im Rest des Landes. Bezahlt wird per Girocard oder Kreditkarte direkt an der Säule – ad-hoc, ohne Vertrag und ohne App-Konto. Einen Ladevertrag brauchst du für den günstigen Mittagsstrom nicht, ein Abo mit Grundgebühr rechnet sich erst über hohe Lademengen. Die kostenlose LadeSofort-App für iOS und Android bringt die Live-Karte aufs Handy.
Was du jetzt konkret tun kannst
Mit eigenem Dach: Ladung in die Mittagsstunden legen oder gleich eine PV-fähige Wallbox mit Phasenumschaltung einplanen – die knapp 400 Euro aus dem Rechenbeispiel sind seit dem 1. August das Mindestargument. Ohne Dach: dynamische Tarife im Blick behalten und vor dem Laden den Preis auf der Karte prüfen. Die Sonne senkt deine Ladekosten in beiden Fällen – einmal direkt, einmal über den Markt.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine PV-Anlage allein für das E-Auto?
Als einziger Grund selten – die Anlage rechnet sich über den gesamten Eigenverbrauch. Das E-Auto verbessert die Rechnung aber deutlich, weil jede selbst geladene Kilowattstunde rund 30 Cent mehr wert ist als die Einspeisung mit 7,70 Cent.
Kann ich mein E-Auto mit einem Balkonkraftwerk laden?
Praktisch nein. Balkonkraftwerke speisen maximal 800 Watt ein, eine Wallbox braucht einphasig mindestens etwa 1,4 Kilowatt, um überhaupt zu starten. Das Balkonkraftwerk entlastet den Haushalt, nicht den Autoakku.
Was ist besser: Solarstrom einspeisen oder ins E-Auto laden?
Laden. Fürs Einspeisen gibt es bei neuen Anlagen bis 10 kWp seit dem 1. August 2026 noch 7,70 Cent pro Kilowattstunde, ersetzter Netzstrom ist im Schnitt 37 Cent wert. Der Eigenverbrauch im Auto bringt also fast das Fünffache.
Brauche ich für Solarstrom eine spezielle Wallbox?
Nein. Laden geht mit jeder Wallbox, per Timer auch grob solargesteuert. Komfortabel wird es mit einer PV-fähigen Wallbox samt Energiemanagement und automatischer Phasenumschaltung – sie nutzt auch kleine Überschüsse ab 1,4 Kilowatt.