Ratgeber 03. July 2026 6 Min. Lesezeit 62 Aufrufe

Roaming beim E-Auto laden: Warum die Ladekarte im Fremdnetz teurer wird

E-Auto lädt an einem öffentlichen Schnellladepark in Deutschland – Roaming entscheidet über den Preis pro kWh

An der Schnellladesäule an der A9 zeigt dein Handy 0,76 €/kWh. Mit der falschen Ladekarte zahlst du genau das – obwohl dieselbe Säule mit dem richtigen Zugang gut 20 Cent pro Kilowattstunde günstiger wäre. Schuld ist ein Mechanismus, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Roaming. Hier erfährst du, wann deine Ladekarte im Fremdnetz teurer wird, wie du das erkennst – und warum du dir das Problem mit Ad-hoc-Laden komplett sparen kannst.

Roaming beim Laden – dasselbe Prinzip wie beim Handy

Roaming beim E-Auto-Laden funktioniert fast genauso wie beim Smartphone im Ausland. Deine Ladekarte gehört zu einem Anbieter (deinem "Heimnetz"). Steht die Säule aber einem anderen Betreiber, rechnet dein Anbieter über eine Roaming-Partnerschaft mit dem Säulenbetreiber ab – und schlägt dafür einen Aufpreis drauf. Der Komfort dahinter ist echt: Eine einzige Karte oder App öffnet dir fast jede öffentliche Säule in Europa. Der Haken: An fremden Säulen zahlst du oft spürbar mehr als am eigenen Netz.

Genau deshalb schleppen viele Fahrer mehrere Karten mit sich herum. Wer das leid ist, landet schnell beim Thema Laden ohne Ladekarte – dazu unten mehr.

Warum du im Fremdnetz draufzahlst

Der Roaming-Aufschlag ist kein Cent-Betrag zum Wegschauen. Beim ADAC e-Charge etwa kostet die Kilowattstunde am Aral-pulse-Netz rund 55 Cent, im Roaming-Netz aber 75 Cent – ein Aufschlag von 20 Cent, also gut ein Drittel. Andere Anbieter geben für Roaming-Ladungen gar keinen festen Preis mehr an: Bei manchen Karten schwankt die kWh je nach Fremdbetreiber zwischen 56 und 89 Cent, sichtbar erst in der App vor dem Start.

Zum Vergleich ein grober Überblick, wie sich dieselbe Ladung je nach Zugangsweg unterscheidet:

Zugangsweg Typischer Preis pro kWh Haken
Heimnetz (eigener Tarif) ca. 0,47–0,55 € oft Grundgebühr, Lock-in
Roaming (fremde Säule) ca. 0,60–0,89 € Aufschlag, teils kein Festpreis
Ad-hoc (Karte/Handy) ca. 0,45–0,76 € Preis vorher nicht immer sichtbar

Ein Rechenbeispiel macht es greifbar: Lädst du 60 kWh am eigenen Netz für 55 Cent, zahlst du 33 Euro. Dieselbe Ladung im Roaming zu 75 Cent kostet 45 Euro – zwölf Euro mehr für exakt denselben Strom an derselben Säule. Bei zwei Ladungen pro Woche summiert sich das übers Jahr auf über 1.200 Euro Unterschied. Besonders bitter wird es im Urlaub: An einer Säule in Italien oder Österreich gilt dein deutscher Vertrag als Fremdnetz – der Roaming-Aufschlag kommt oben drauf, während du glaubst, ganz normal zu laden. Wer viel grenzüberschreitend fährt, sollte das Thema vorher klären; wir haben es im Ratgeber E-Auto laden im Ausland ausführlich aufgedröselt. Welcher Betreiber hinter einer Säule steckt, siehst du übrigens in unserer Betreiber-Übersicht.

Kontaktlos mit Bankkarte am Terminal einer Ladesäule bezahlen – Ad-hoc-Laden ohne Vertrag und ohne Roaming
Ad-hoc-Laden: kontaktlos mit EC- oder Kreditkarte direkt an der Säule zahlen – ganz ohne Vertrag und Roaming.

Was AFIR seit 2024 verbessert hat

Ein Lichtblick: Seit dem 13. April 2024 schreibt die EU-Verordnung AFIR vor, dass an neu in Betrieb genommenen Schnellladesäulen der Ad-hoc-Preis vor dem Ladestart klar erkennbar sein muss – und dass kontaktloses Zahlen mit gängiger Debit- oder Kreditkarte möglich ist. Das nimmt der Roaming-Intransparenz einen Teil des Schreckens, zumindest an neueren Säulen. Die Bundesnetzagentur führt dazu ein öffentliches Ladesäulenregister. An älteren Bestandssäulen bleibt die Preisanzeige aber lückenhaft – und genau da schnappt die Roaming-Falle weiter zu.

So erkennst du, ob du gerade im Roaming lädst

Ein paar Handgriffe schützen dich vor der bösen Überraschung auf der Abrechnung. Bevor du den Ladevorgang startest, lohnt sich dieser kurze Check:

  • Betreiber vs. Anbieter abgleichen: Steht auf der Säule ein anderer Name als der deiner Ladekarte, lädst du fast sicher im Fremdnetz.
  • Preis in der App prüfen: Seriöse Anbieter zeigen den kWh-Preis für genau diese Säule vor dem Start an – fehlt ein klarer Festpreis, ist das ein Roaming-Warnsignal.
  • Heimnetz-Liste kennen: Die meisten Anbieter veröffentlichen, an welchen Netzen ihr günstiger Heimtarif gilt. Alles außerhalb ist Roaming.
  • Im Ausland doppelt hinschauen: Jenseits der Grenze zählt dein deutscher Vertrag praktisch immer als Fremdnetz – hier sind die Aufschläge am höchsten.

Klingt nach Aufwand? Ist es auch. Genau diesen Kleinkram nimmt dir Ad-hoc-Laden komplett ab.

Ad-hoc: der Ausweg ohne Roaming-Falle

Die ehrlichste Lösung gegen Roaming-Aufschläge ist, das Vertrags- und Kartensystem gleich zu umgehen. Beim Ad-hoc-Laden fährst du an die Säule, hältst deine EC- oder Kreditkarte (oder Apple/Google Pay) an das Terminal, lädst und fährst weiter – wie früher an der Tankstelle. Kein Anbieter dazwischen, kein Heim- oder Fremdnetz, kein Roaming-Aufschlag. Ladeverträge und anbietereigene Apps können im Einzelfall günstiger sein, wenn du oft am selben Netz lädst – aber sie binden dich, kosten teils Grundgebühr und verstecken den echten Preis hinter Tarifstufen. Als smarte Spar-Automatik taugen sie für spontane Fahrer selten.

Der einzige echte Nachteil von Ad-hoc – der Preis ist nicht immer vorab sichtbar – ist genau das, was wir bei LadeSofort lösen. Auf unserer Karte siehst du für Ad-hoc-Säulen den Live-Preis bevor du hinfährst, dazu die aktuelle Verfügbarkeit. In unseren Preisdaten sehen wir immer wieder, wie stark zwei Säulen im selben Ort auseinanderliegen – wer vorher vergleicht, spart pro Ladung schnell mehrere Euro. In einer Großstadt wie bei den Ladestationen in Berlin macht das den Unterschied zwischen 0,45 und 0,79 Euro pro Kilowattstunde aus. So wird aus dem Ad-hoc-Nachteil ein Vorteil: volle Flexibilität, aber mit Preis-Durchblick.

Fazit

Roaming ist der bequeme, aber teure Teil der Vertragswelt: eine Karte für alles – erkauft mit Aufschlägen, die im Fremdnetz und im Ausland richtig ins Geld gehen. Wer den Aufpreis nicht zahlen will, prüft entweder genau, wo das eigene Heimnetz endet, oder umgeht das System per Ad-hoc-Laden. Mit der Live-Preis-Karte von LadeSofort behältst du dabei den Preis im Blick, den Ad-hoc allein nicht verrät.

Bildhinweis: Die Illustrationen dieses Beitrags wurden ganz oder teilweise mit KI erstellt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Roaming beim E-Auto-Laden?

Roaming heißt: Du lädst mit der Karte oder App deines Anbieters an einer Säule, die einem anderen Betreiber gehört. Dein Anbieter rechnet über eine Roaming-Partnerschaft ab und verlangt dafür meist einen Aufschlag – ähnlich wie beim Handy-Roaming im Ausland.

Wie viel teurer ist Roaming?

Das hängt vom Anbieter ab. Beim ADAC e-Charge kostet die kWh am eigenen Netz rund 55 Cent, im Roaming-Netz 75 Cent. Bei anderen Karten schwankt der Roaming-Preis zwischen etwa 56 und 89 Cent pro kWh, teils ganz ohne Festpreis.

Wie vermeide ich Roaming-Aufschläge?

Am einfachsten mit Ad-hoc-Laden: direkt mit EC- oder Kreditkarte an der Säule zahlen, ohne Vertrag und ohne Roaming. Alternativ vorher prüfen, ob die Säule zu deinem Heimnetz gehört. Auf der LadeSofort-Karte siehst du den Ad-hoc-Preis schon vor der Anfahrt.

Hat AFIR das Roaming-Problem gelöst?

Teilweise. Seit April 2024 müssen neue Schnellladesäulen den Ad-hoc-Preis vorab anzeigen und kontaktloses Kartenzahlen erlauben. An älteren Bestandssäulen bleibt die Preisanzeige aber oft lückenhaft, sodass Roaming-Aufschläge weiter überraschen können.

Tags:
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