Ratgeber 01. October 2026 8 Min. Lesezeit 73 Aufrufe

Elektrotankstelle: So tankst du Strom – und was anders ist als an der Zapfsäule

Ladesäule und klassische Zapfsäule nebeneinander an einem Rastplatz

Eine Elektrotankstelle ist keine Tankstelle mit anderem Kraftstoff, sondern ein anderes Prinzip: Du füllst nichts auf, du hängst dich ans Netz. Das Auto bestimmt, wie schnell Strom fließt, nicht die Pumpe. Und der Preis steht nicht groß am Mast, sondern irgendwo auf einem Display – oder gar nicht. Wer das einmal verstanden hat, tankt Strom ohne Stress. Wer nicht, zahlt gern mal das Doppelte.

Hier steht, was an der Elektrotankstelle anders läuft als an der Zapfsäule: Zeit, Abrechnung, Preis, Bezahlen. Mit einer 100-Kilometer-Rechnung auf Basis echter Preise aus unserer Datenbank.

Elektrotankstelle: Was damit eigentlich gemeint ist

„Elektrotankstelle“ ist ein Alltagswort. Offiziell heißt das, was du meinst, öffentlich zugänglicher Ladepunkt: ein Stecker, an dem ein Auto gleichzeitig laden kann. Eine Säule hat oft zwei davon. Laut Bundesnetzagentur waren am 1. August 2026 in Deutschland 212.064 solcher Ladepunkte in Betrieb: 156.399 Normalladepunkte bis 22 kW und 55.665 Schnellladepunkte darüber. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 28.700 weniger.

Zum Vergleich mit der Zapfsäule taugt diese Zahl nur halb. Eine Zapfsäule steht fast immer an einer Tankstelle mit Kasse und Licht. Eine Elektrotankstelle kann auf dem Supermarktparkplatz stehen, an der Autobahn, am Straßenrand oder im Parkhaus. Die Bandbreite ist riesig – und genau darin liegt der erste große Unterschied.

Fünf Minuten gegen eine Viertelstunde: die Zeit

Eine Tankfüllung Benzin dauert, bis die Kasse durch ist, rund fünf Minuten. Strom lässt sich nicht so schnell „einfüllen“. An einer Wechselstromsäule mit 11 kW kommen in einer Stunde höchstens 11 Kilowattstunden ins Auto – reicht grob für 60 Kilometer. An einer Schnellladesäule mit 150 kW lädt ein passendes Auto von 10 auf 80 Prozent oft in 20 bis 30 Minuten. Wie schnell es wirklich geht, hängt vom Auto, vom Ladestand und von der Temperatur ab.

Daraus folgt eine Gewohnheit, die man an der Zapfsäule nie braucht: Du lädst dort, wo du ohnehin Zeit verbringst. Einkauf, Arbeitstag, Restaurant. Auf der Langstrecke planst du kurze Schnellladestopps, statt bis zum letzten Kilometer zu fahren. Wer zu Hause eine Wallbox hat, steht öffentlich ohnehin nur ab und zu an der Säule – für alle anderen ist die Elektrotankstelle der Normalfall.

Elektroauto lädt am Supermarktparkplatz, während der Fahrer einkauftLaden, während du ohnehin Zeit verbringst: Supermarktparkplatz 

Liter gegen Kilowattstunde: Wie abgerechnet wird

Benzin zahlst du pro Liter, Strom pro Kilowattstunde (kWh). Das ist die Währung der Elektrotankstelle. Ein Auto mit 18 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer entspricht ungefähr einem Verbrenner mit sieben Litern. Wichtig ist die Unterscheidung bei der Abrechnung: An Schnellladepunkten ab 50 kW schreibt die EU-Verordnung AFIR den Preis je Kilowattstunde vor. Minutenpreise als Hauptpreis sind dort nicht mehr zulässig. Minuten bezahlst du dann nur noch indirekt, etwa über Blockiergebühren.

Ob die abgerechnete Menge stimmt, ist übrigens keine Vertrauenssache: Die Messung an der Säule muss geeicht sein und lässt sich nachprüfen. Wie das geht, steht in unserem Beitrag zum Eichrecht an der Ladesäule.

Der Preis am Mast – und der, den du erst an der Säule siehst

Das ist der Punkt, an dem Strom tanken unpraktischer ist als Benzin. An der Tankstelle fährst du auf den Hof und siehst die Preise schon von der Straße: Super E10, Diesel, fertig. An der Elektrotankstelle steht der Ad-hoc-Preis – also der Preis ohne Vertrag und ohne App – häufig erst auf dem Säulendisplay, wenn du bereits angehalten hast. Vorgeschrieben ist die Anzeige vor dem Start des Ladevorgangs, aber eben nicht vor der Abfahrt.

Die Spanne ist dabei größer als an jeder Zapfsäule. Am 2. Oktober 2026 führt LadeSofort 1.083 Betreiber mit 36.629 Ad-hoc-Ladestationen, der Durchschnittspreis liegt bei 0,47 Euro je Kilowattstunde. Die Preise pro Betreiber reichen von knapp 0,40 Euro bis fast 0,80 Euro im Schnitt, und innerhalb eines Betreibers streuen sie nochmal kräftig: Bei TotalEnergies liegt der Startpreis zwischen 0,48 und 1,20 Euro, bei Lidl zwischen 0,29 und 0,78 Euro. Dasselbe Logo, andere Säule, bis zu 72 Cent Unterschied.

Mehr zu den Gründen dafür steht in unserer Auswertung Was Ad-hoc-Laden wirklich kostet. Hier reicht die Konsequenz: Bei der Elektrotankstelle lohnt es sich, den Preis vor dem Losfahren zu kennen, nicht erst vor dem Anstecken.

Die 100-Kilometer-Rechnung: Strom gegen Benzin

Wir rechnen mit Mischverbrauch: 18 kWh auf 100 Kilometer beim E-Auto, sieben Liter beim Benziner. Das sind Annahmen, dein Auto liegt womöglich anders – vor allem auf der Autobahn verbraucht ein E-Auto deutlich mehr. Der Benzinpreis ist der ADAC-Wochenschnitt für Super E10 vom 23. September 2026: 2,267 Euro je Liter. Die Strompreise sind Betreiberdurchschnitte vom 2. Oktober aus unserer Datenbank.

Tankstelle / Betreiber Preis Kosten pro 100 km
Benzin (E10, ADAC-Schnitt) 2,267 €/Liter 15,87 €
Aldi Süd (Ad-hoc, Schnitt) 0,39 €/kWh 7,02 €
EDEKA / Tesla (Ad-hoc, Schnitt) 0,47 €/kWh 8,46 €
EnBW (Ad-hoc, Schnitt) 0,65 €/kWh 11,70 €
IONITY (Ad-hoc, Schnitt) 0,72 €/kWh 12,96 €
Aral Pulse (Ad-hoc, Schnitt) 0,80 €/kWh 14,40 €
Teuerste von uns erfasste TotalEnergies-Säule 1,20 €/kWh 21,60 €

Lesen wir das ehrlich: Im Schnitt tankst du Strom auch ohne Vertrag günstiger als Benzin, bei Aldi Süd weniger als halb so teuer. Aber die teuerste Säule in der Tabelle liegt fast 6 Euro über dem Benzinpreis. Das Sparen passiert also nicht automatisch, sondern an der richtigen Säule.

Bezahlen: Karte reicht – oder doch nicht?

An der Zapfsäule zahlst du mit Karte oder bar, ohne Kundenkonto. So sollte es an der Elektrotankstelle auch sein, und seit AFIR muss jeder neue öffentliche Ladepunkt ein gängiges Kartenzahlungsmittel anbieten. Das ist das, was wir Ad-hoc-Laden nennen: anstecken, mit Girocard oder Kreditkarte zahlen, weiterfahren. Ohne Vertrag, ohne Abo, ohne Anbieter-App. Unseren Überblick dazu findest du auf der Seite Ad-hoc-Laden ohne Vertrag.

Die Alternative sind Ladekarten und Apps. Sie sind manchmal pro kWh ein paar Cent günstiger, dafür bindest du dich an einen Anbieter, zahlst teils Grundgebühr und brauchst im Ausland oft eine weitere App. Für jeden, der nicht täglich an derselben Säulenmarke lädt, ist Ad-hoc der bessere Normalfall. Der einzige echte Nachteil – der Preis ist vorher nicht sichtbar – lässt sich beheben, wie der nächste Abschnitt zeigt.

So tankst du Strom an der Elektrotankstelle – Schritt für Schritt

  1. Säule vor der Abfahrt wählen. Preis, Steckertyp und Leistung prüfen – nicht erst auf dem Hof.
  2. Passend parken – Ladeport zur Säule, Kabel ohne Zug.
  3. Zahlart wählen: Karte an das Terminal halten oder per QR-Code zahlen. Preis und eventuelle Blockiergebühr stehen jetzt auf dem Display.
  4. Stecker einstecken. Die Säule prüft die Verbindung, dann startet der Ladevorgang.
  5. Fahrzeug beobachten. Ab etwa 80 Prozent wird es langsamer; wer weiterfährt, spart Standzeit und Blockiergebühr.

Wie viel das Stehenbleiben kosten kann, klärt unser Ratgeber zur Blockiergebühr.

Preis vorher sehen: Die Live-Karte als „Preismast“

Die Lücke zwischen Zapfsäule und Ladesäule ist der Preis auf Sicht. Genau die schließen wir bei LadeSofort. Auf der Karte siehst du den Ad-hoc-Preis je kWh der Säule, bevor du abbiegst – wie den Preismast an der Tankstelle, nur für jede Säule einzeln. Dazu Steckertypen, Leistung und Betreiber. In einer Stadt wie Leipzig reicht ein Blick, um die günstige Supermarkt-Säule von der teuren Schnellladesäule zu trennen. Die Preise stammen von den Betreibern und der Community, die Karte ist kostenlos und braucht kein Konto.

Und noch ein Hinweis zur Abgrenzung: Wer wissen will, wie es speziell an klassischen Tankstellen mit Ladepunkt aussieht – welche Marken wie viel verlangen –, findet das in unserem Beitrag E-Auto an der Tankstelle laden. Hier ging es um das Prinzip dahinter.

[BILD – Dateiname: elektrotankstelle-preis-vorab-smartphone-karte.jpg | Alt: Smartphone mit Kartenansicht zeigt Preis einer Ladesäule vor der AnkunftPreis vor dem Abbiegen sehen: Ladesäule im Kartenüberblick 

Fazit: Anders tanken, nicht schwieriger

Die Elektrotankstelle kostet mehr Planung als die Zapfsäule, aber weniger als ihr Ruf. Plane Ladestopps dort, wo du ohnehin Zeit verbringst. Achte auf kWh-Preis und Blockiergebühr statt auf Minuten. Zahl mit Karte statt per Vertrag. Und schau auf den Preis, bevor du abbiegst: Zwischen der günstigsten und der teuersten Säule liegen für dieselbe Strommenge locker 20 Euro.

Häufige Fragen

Was ist eine Elektrotankstelle?

Ein öffentlich zugänglicher Ladepunkt, an dem du ein Elektroauto aufladen kannst. Amtlich spricht die Bundesnetzagentur von Ladepunkten, im Alltag sagen die meisten Elektrotankstelle oder Ladesäule. Am 1. August 2026 gab es davon in Deutschland 212.064.

Wie lange dauert das Tanken an einer Elektrotankstelle?

Das hängt von Säule und Auto ab. An einer 11-kW-Wechselstromsäule kommen pro Stunde höchstens 11 kWh ins Auto. An einer Schnellladesäule dauert eine Ladung von 10 auf 80 Prozent oft 20 bis 30 Minuten.

Brauche ich eine Karte oder App, um Strom zu tanken?

Nein. An allen seit April 2024 neu gebauten öffentlichen Ladepunkten muss ein gängiges Kartenzahlungsmittel möglich sein. Du kannst also ad hoc mit Giro- oder Kreditkarte zahlen, ohne Vertrag und ohne Anbieter-App.

Wie finde ich die günstigste Elektrotankstelle?

Indem du den Preis vor der Abfahrt vergleichst. Auf der LadeSofort-Karte siehst du den Ad-hoc-Preis je kWh pro Säule, dazu Steckertyp und Leistung. So vermeidest du Preisunterschiede von 20 Euro und mehr pro 50 kWh.

Ist Strom tanken günstiger als Benzin?

Im Schnitt ja, aber nicht überall. Bei 18 kWh und sieben Litern auf 100 Kilometer kostet Benzin bei 2,267 Euro je Liter 15,87 Euro, Strom an Säulen mit 0,47 Euro je kWh 8,46 Euro. An einer Säule mit 1,20 Euro je kWh wären es 21,60 Euro.

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