Stromsteuer-Senkung: Was sie fürs E-Auto-Laden wirklich bringt
Stand: 14.10.2026. 2,05 Cent. So viel Stromsteuer steckt aktuell in jeder Kilowattstunde, die ein Haushalt bezieht. Kanzler Merz will sie für alle auf das europäische Mindestmaß drücken, der BDEW rechnet dann mit 0,1 Cent. Für E-Auto-Fahrer klingt das nach billigerem Laden. Die Rechnung ist kleiner als die Schlagzeile – und sie fällt zu Hause ganz anders aus als an der Säule.
Was Merz angekündigt hat – und was fehlt
Am 12. Oktober kündigte Merz nach der CDU-Präsidiumsklausur an, die Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Mindestniveau zu senken. Bisher gilt dieser Satz laut BDEW-Mitteilung vom 13.10.2026 seit Jahresbeginn nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Haushalte zahlen 2,05 Cent je kWh. Einen Termin nannte Merz nicht, die Finanzierung soll aus Haushaltsspielräumen kommen, falls das Wachstum anhält. Ein Gesetzentwurf liegt nicht vor. Heißt: Angekündigt ist eine Richtung, kein Datum.
Die Rechnung: 1,95 Cent netto, 2,3 Cent brutto
Fällt der Satz von 2,05 auf 0,1 Cent, sinkt die Steuer um 1,95 Cent je kWh. Mit 19 % Mehrwertsteuer sind das gut 2,3 Cent. Das setzt voraus, dass jeder Versorger und Betreiber die Entlastung komplett weitergibt.
| Szenario | Menge | Ersparnis (brutto) |
|---|---|---|
| eine Kilowattstunde | 1 kWh | ca. 2,3 ct |
| Ad-hoc-Ladung unterwegs | 40 kWh | ca. 0,93 € |
| Heimladen, ca. 15.000 km im Jahr (Annahme: 18 kWh/100 km) | 2.700 kWh | ca. 63 € |
Bezogen auf den Durchschnittspreis von 0,47 €/kWh in unserer Betreiber-Übersicht (Stand 14.10.2026) wären das rund fünf Prozent. Spürbar, aber kein Preisumbruch.
Zu Hause kommt es an – an der Säule nicht automatisch
Beim Heimladen steht die Stromsteuer auf deiner Stromrechnung. Bei Neuverträgen zahlt ein Haushalt laut BDEW im Schnitt 38,9 ct/kWh, davon 12,9 ct für Steuern, Abgaben und Umlagen. Sinkt die Steuer, sinkt dein Arbeitspreis, sofern dein Versorger die Entlastung weitergibt.
An öffentlichen Säulen läuft es anders. Nach § 5a StromStG gilt die Entnahme am Ladepunkt als Entnahme des Betreibers; die Steuer schuldet in der Regel dessen Stromlieferant, andernfalls der Betreiber selbst. Du siehst sie nirgends auf einem Beleg, sie steckt im kWh-Preis. Unklar ist bisher, ob die Senkung auch für gewerbliche Betreiber gelten soll. Und eine Pflicht, sie an Ladekunden weiterzugeben, kenne ich nicht. Ob die Säule in deiner Stadt danach billiger wird, entscheidet der Betreiber.
Zwei Cent gegen 27 Cent
Wie klein die Steuer neben den Preisunterschieden zwischen Säulen ist, zeigt unser eigener Datenbestand. Auf der Betreiber-Übersicht stehen am 14.10.2026 1.084 Betreiber mit 44.378 Ad-hoc-Stationen. In Stuttgart lag die gemeldete Spanne am 07.10. zwischen 0,24 und 0,79 €/kWh. Und im Fall, den das Landgericht München I am 06.10. entschied, kostete die kWh bei EWE Go laut Stichtag 01.01.2025 in der App 0,52 €, ad-hoc aber 0,79 € – ein Abstand von 27 Cent, mehr als das Elffache der Steuerersparnis (Details zum Urteil).
Das ist kein Argument gegen Ad-hoc-Laden. Es ist ein Argument für den Preis vor dem Anstecken. Ad-hoc bleibt der Weg ohne Vertrag, ohne Abo und ohne Anbieter-App; ehrlich gesagt war es in diesem Fall der teure Weg. Genau deshalb zeigt dir die Live-Preis-Karte von LadeSofort den gemeldeten Preis je Säule vorher, zum Beispiel in Leipzig oder jeder anderen Stadt. Worauf es sonst beim Bezahlen ankommt, steht in unserer Übersicht zu den Ad-hoc-Ladekosten.
Was du jetzt tun solltest
Nichts umbauen. Wechsle keinen Stromtarif oder Ladevertrag wegen einer Steuer, die noch kein Gesetz ist. Prüfe stattdessen vor jeder Fahrt, was die Säule am Ziel kostet, denn dort liegen Cent-Unterschiede im zweistelligen Bereich. Kommt ein Gesetzentwurf, aktualisieren wir diesen Beitrag.
Häufige Fragen
Wann sinkt die Stromsteuer für Privathaushalte?
Das ist offen. Merz nannte am 12.10.2026 keinen Termin, einen Gesetzentwurf gibt es bisher nicht. Seit Jahresbeginn gilt der Mindestsatz nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Wird Laden an der öffentlichen Säule dadurch billiger?
Möglich, aber nicht garantiert. Rechnerisch geht es um höchstens etwa 2,3 Cent brutto je kWh, und eine Weitergabe an Ladekunden ist nicht geregelt. Die Preisunterschiede zwischen einzelnen Säulen sind deutlich größer.
Wie hoch ist die Stromsteuer aktuell?
Der Regelsatz beträgt 20,50 € je Megawattstunde, also 2,05 Cent je kWh (§ 3 StromStG). Das europäische Mindestmaß, auf das gesenkt werden soll, beziffert der BDEW mit 0,1 Cent je kWh.