News 22. September 2025 8 Min. Lesezeit 562 Aufrufe

Öffentliche Ladepunkte in Deutschland: 212.064 – und was sie kosten

Öffentliche Ladepunkte in Deutschland: 212.064 – und was sie kosten

[TITELBILD – Dateiname: oeffentliche-ladepunkte-deutschland-schnellladepark.jpg | Alt: Öffentliche Ladepunkte in Deutschland: E-Autos an einem Schnellladepark | Caption: Rund jeder vierte öffentliche Ladepunkt in Deutschland lädt inzwischen mit mehr als 22 kW. | Prompt (EN): Wide photorealistic view of a modern open-air fast charging park at the edge of a German town, four or five charging pillars in a row under a simple canopy, two European compact electric cars plugged in with charging cables clearly visible but not filling the frame, cable leading to a round Type 2 connector on top with a large two-pin DC section below (European CCS Combo 2), overcast bright daylight, parking bay markings on asphalt. Setting: Germany, Central Europe. Everything must look authentically European: European/German architecture and street furniture, right-hand traffic, EU number plates with a blue band (no readable text), German-style charging equipment. People (if any) are European adults in everyday European clothing. Strictly avoid: Asian or Japanese/Chinese elements, Asian signage or written characters, CHAdeMO or GB/T connectors, right-hand-drive vehicles, US settings. Photorealistic, bright natural daylight, 16:9 landscape, no readable text, no brand logos.]

212.064. So viele öffentlich zugängliche Ladepunkte hat die Bundesnetzagentur zum Stichtag 1. August 2026 in ihrer Ladesäulenkarte erfasst – 28.663 mehr als ein Jahr zuvor. Klingt nach einer erledigten Aufgabe. Ist es nicht: Die Zahl sagt nichts darüber, ob die Säule vor dir frei ist, wie schnell sie lädt und was die Kilowattstunde dort kostet. Genau da fängt der Alltag an.

Stand: 9. September 2026. Alle Bestandszahlen beziehen sich auf die Auswertung der Bundesnetzagentur zum 1. August 2026, die Nutzerdaten auf die BDEW-Umfrage vom September 2026.

Die Zahlen zum 1. August 2026 im Überblick

Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr liegt bei 15,6 Prozent. Innerhalb eines Monats – vom 1. Juli auf den 1. August – kamen 1.453 Ladepunkte dazu. Die Zahl der Ladeeinrichtungen, also der Säulen selbst, stieg von 102.097 auf 118.062. Die kumulierte Nennleistung wuchs von 7,35 auf rund 9,22 Gigawatt und damit um 25,5 Prozent, also deutlich stärker als die reine Punktzahl. Übersetzt: Es kommen nicht nur mehr Ladepunkte dazu, sondern vor allem kräftigere.

Ein Detail, das in den meisten Meldungen untergeht: Diese Werte sind vorläufig. Die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur wird laufend um Nachmeldungen der Betreiber ergänzt. Der Stichtag 1. April stand ursprünglich bei 200.255 Ladepunkten, wurde dann auf 202.118 korrigiert und liegt inzwischen bei 204.266. Wer zwei Monatswerte gegeneinander rechnet, vergleicht also fast immer einen fertigen mit einem unfertigen Stand. Der Jahresvergleich ist die belastbarere Größe.

Die Aufteilung nach Leistung zeigt, wo der Ausbau tatsächlich stattfindet:

Leistungsklasse Ladepunkte (1.8.2026) Veränderung zum Vorjahr
bis 3,7 kW 2.911 +9,0 %
über 3,7 bis 15 kW 38.899 +11,0 %
über 15 bis 22 kW 114.589 +12,3 %
über 22 bis 49 kW 1.770 +6,2 %
über 49 bis 59 kW 8.583 +19,6 %
über 59 bis 149 kW 4.469 +28,9 %
über 149 bis 299 kW 21.277 +25,1 %
über 299 kW 19.566 +36,4 %

Schnellladen wächst mehr als doppelt so schnell wie AC

156.399 Ladepunkte liefern bis zu 22 kW Wechselstrom, ein Plus von 11,9 Prozent. Die 55.665 Schnellladepunkte über 22 kW legten dagegen um 27,5 Prozent zu. Am stärksten wächst die Spitze: Ladepunkte über 299 kW nahmen um 36,4 Prozent auf 19.566 zu. Zusammen mit der Klasse 149 bis 299 kW stehen inzwischen 40.843 richtig schnelle Ladepunkte in Deutschland.

Die alte 50-kW-Generation stagniert dagegen sichtbar: Die Klasse 22 bis 49 kW wuchs nur um 6,2 Prozent. Für dich heißt das zweierlei. Erstens werden Ladestopps kürzer – die Frage ist immer öfter, ob du überhaupt aussteigen willst. Zweitens gilt an fast allen neu gebauten Schnellladepunkten die AFIR-Kartenpflicht: Ab 50 kW muss ein kontaktloses Kartenterminal verbaut sein. Du kannst dort also ohne Vertrag und ohne App laden, was den Ausbau der oberen Leistungsklassen für Gelegenheitslader besonders wertvoll macht. Mehr dazu im Überblick zu Ladesäulen, Ladepunkten und Leistungsklassen.

Bundesländer-Ranking – und was Laden dort wirklich kostet

Nordrhein-Westfalen führt mit 41.646 Ladepunkten vor Bayern (40.421) und Baden-Württemberg (35.791), Niedersachsen folgt mit 21.075. Prozentual zieht aber der Norden an: Hamburg legte binnen eines Jahres um 38,6 Prozent auf 5.939 Ladepunkte zu, Mecklenburg-Vorpommern um 26,3 Prozent auf 3.285. Nach installierter Leistung dreht sich das Ranking sogar: Bayern liegt mit rund 1,80 Gigawatt vor NRW mit 1,71 Gigawatt.

Nur: Ein dichtes Netz ist nicht automatisch ein günstiges. Wir sehen in unserer eigenen Datenbank, dass die Ad-hoc-Preise regional deutlich auseinanderlaufen. Aktuell sind für Deutschland 21.740 Ladestandorte mit 34.547 Schnellladern und 732 Betreibern erfasst – inklusive der Preise, die dort ohne Vertrag gelten:

Bundesland Ladepunkte (BNetzA) Standorte bei LadeSofort Ø Ad-hoc-Preis AC (Typ 2)
Nordrhein-Westfalen 41.646 4.170 0,51 €/kWh
Bayern 40.421 3.332 0,48 €/kWh
Baden-Württemberg 35.791 2.982 0,48 €/kWh
Hamburg 5.939 1.279 0,51 €/kWh
Mecklenburg-Vorpommern 3.285 427 0,61 €/kWh

Mecklenburg-Vorpommern hat also gleichzeitig das dünnste Netz der fünf und den höchsten Durchschnittspreis – rund 13 Cent je Kilowattstunde über Bayern. Auf eine 50-kWh-Ladung sind das 6,50 Euro Unterschied, nur weil du die Landesgrenze überquert hast. Genau diese Spreizung verschwindet in jeder bundesweiten Ausbaustatistik.

12.914 Betreiber: der eigentliche Grund für den Tarif-Dschungel

Die Bundesnetzagentur führt zum 1. August 12.914 Betreiber öffentlicher Ladeeinrichtungen. Im Juni 2025 waren es 11.669. Der Markt wird also nicht übersichtlicher, sondern kleinteiliger. An der Spitze steht EnBW mobility+ mit 12.464 Ladepunkten, gefolgt von E.ON Drive (4.942), Tesla (3.951), EWE Go (3.595) und BP inklusive Aral (3.149). Nach Nennleistung führt ebenfalls EnBW mit rund 1,13 Gigawatt vor Tesla mit rund 980 Megawatt.

Rechne das gegen: Selbst der größte Anbieter deckt weniger als sechs Prozent aller Ladepunkte ab. Eine Ladekarte, ein Vertrag, eine App – das reicht rechnerisch nie. Wer sich auf ein Netz festlegt, zahlt an allen anderen Säulen Roaming-Aufschläge oder steht ohne Freischaltung da. Ad-hoc-Laden mit EC- oder Kreditkarte kennt dieses Problem nicht: Es funktioniert bei jedem der 12.914 Betreiber gleich.

[BILD HIER – Dateiname: ladepunkte-bundeslaender-vergleich-ladesaeule.jpg | Alt: Ladesäule an einem Kundenparkplatz als Beispiel für die wachsende Zahl öffentlicher Ladepunkte | Caption: Kundenparkplätze und innerstädtische Ladehubs holen laut BDEW-Umfrage deutlich auf. | Prompt (EN): Photorealistic view of a supermarket customer car park in a German small town on an overcast day, two AC charging pillars with a seven-pin round Type 2 (Mennekes) socket, one European hatchback electric car charging, shopping trolleys and a plain building facade in the background, wide framing so the connector is visible but small. Setting: Germany, Central Europe. Everything must look authentically European: European/German architecture and street furniture, right-hand traffic, EU number plates with a blue band (no readable text), German-style charging equipment. People (if any) are European adults in everyday European clothing. Strictly avoid: Asian or Japanese/Chinese elements, Asian signage or written characters, CHAdeMO or GB/T connectors, right-hand-drive vehicles, US settings. Photorealistic, bright natural daylight, 16:9 landscape, no readable text, no brand logos.]

Wie E-Auto-Fahrer die Infrastruktur tatsächlich nutzen

Parallel zu den Bestandszahlen hat der BDEW seine fünfte Nutzerumfrage vorgelegt, durchgeführt von UScale im Juli und August 2026 unter 1.009 Fahrerinnen und Fahrern reiner Elektroautos. 91 Prozent der öffentlich Ladenden sagen, das Angebot erfülle ihre Erwartungen mindestens; bei 55 Prozent übertrifft es sie sogar. Das deckt sich mit dem Ausbautempo.

Spannender ist die Verschiebung der Ladeorte. Innerstädtische Ladehubs nutzen laut BDEW-Erhebung inzwischen 39 Prozent der Befragten, vor einem Jahr waren es 21 Prozent. Kundenparkplätze steigen von 43 auf 47 Prozent. Das Laden zuhause bleibt mit 75 Prozent führend, verliert aber sieben Prozentpunkte, und das Laden unterwegs fällt von 50 auf 34 Prozent. Öffentliches Laden ist also weniger ein Reise- als ein Alltagsthema geworden.

Bei der Wahl der Station entscheidet für 46 Prozent, ob sie zur Route passt, für 43 Prozent die Ladeleistung – und erst für 34 Prozent der Preis. Gleichzeitig nutzen 59 Prozent Preisvergleichs-Apps, und drei Viertel zahlen beim AC-Laden höchstens 59 Cent und beim Schnellladen höchstens 69 Cent pro Kilowattstunde.

Der Widerspruch steckt in einer anderen Zahl: 82 Prozent laden weiterhin vertragsgebunden über App oder Ladekarte, hauptsächlich weil sie es für einfacher halten. Ehrlich bleibt: In einem oft genutzten Heimnetz kann ein Tarif ein paar Cent sparen. Nur bezahlst du das mit Grundgebühr, Lock-in und Aufschlägen, sobald du das Netz verlässt – und der Preis steht in vielen Apps erst nach dem Freischalten fest. Wer ohnehin vergleicht, braucht dafür keinen Vertrag.

Was 212.064 Ladepunkte für dich bedeuten

Zum 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 2.034.260 reine Elektro-Pkw in Deutschland zugelassen. Auf einen öffentlichen Ladepunkt kommen damit rechnerisch rund zehn E-Autos – und weil der Fahrzeugbestand seit Januar weiter gewachsen ist, dürfte der echte Wert etwas höher liegen. Trotzdem: Das Netz ist nicht mehr das Nadelöhr. Der Preis ist es.

Deshalb sortieren wir bei LadeSofort nicht nach Betreiber, sondern nach dem, was du zahlst. Die Karte zeigt für jede Station den aktuellen Ad-hoc-Preis, bevor du hinfährst, dazu die Live-Verfügbarkeit der Ladepunkte und die Steckertypen. Damit fällt der einzige echte Nachteil des Ad-hoc-Ladens ohne Vertrag weg: dass man den Preis früher erst an der Säule sah. Wer entlang der Autobahn plant, findet die passenden Standorte im Deutschlandnetz – und in der App kostenlos, ohne Konto und ohne Abo.

Kurz: Freu dich über die 212.064, aber verlass dich nicht darauf. Schau vor dem Losfahren auf den Preis, nicht nur auf den Punkt in der Karte.

Häufige Fragen

Wie viele öffentliche Ladepunkte gibt es in Deutschland?

Zum Stichtag 1. August 2026 hat die Bundesnetzagentur 212.064 öffentlich zugängliche Ladepunkte erfasst – 15,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Wert ist vorläufig: Nachmeldungen der Betreiber heben ältere Stichtage regelmäßig noch um ein bis zwei Prozent an.

Wie viele Schnellladepunkte gibt es in Deutschland?

55.665 Ladepunkte liefern mehr als 22 kW, das sind rund 26 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte. Davon schaffen 19.566 mehr als 299 kW und 21.277 zwischen 149 und 299 kW. Diese Klasse wächst mit 27,5 Prozent im Jahr mehr als doppelt so schnell wie das AC-Netz.

Welches Bundesland hat die meisten Ladesäulen?

Nordrhein-Westfalen mit 41.646 Ladepunkten, gefolgt von Bayern (40.421) und Baden-Württemberg (35.791). Nach installierter Ladeleistung liegt allerdings Bayern mit rund 1,80 Gigawatt vorn. Den stärksten prozentualen Zuwachs verzeichnet Hamburg mit 38,6 Prozent.

Welcher Betreiber hat die meisten Ladesäulen in Deutschland?

EnBW mobility+ mit 12.464 Ladepunkten, danach folgen E.ON Drive (4.942), Tesla (3.951), EWE Go (3.595) und BP mit Aral (3.149). Insgesamt führt die Bundesnetzagentur 12.914 Betreiber – selbst der Größte kommt damit auf weniger als sechs Prozent des Netzes.

Was kostet 1 kWh an der öffentlichen Ladesäule?

In unserer Datenbank liegt der durchschnittliche Ad-hoc-Preis am Typ-2-Anschluss je nach Bundesland zwischen 0,47 und 0,61 Euro pro Kilowattstunde, am Schnelllader darüber. Laut BDEW-Umfrage zahlen drei Viertel der Befragten beim AC-Laden höchstens 59 Cent und beim Schnellladen höchstens 69 Cent.

Tags:
ad-hoc-laden BDEW Bundesnetzagentur Ladeinfrastruktur Schnellladen
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