Ratgeber 23. August 2026 6 Min. Lesezeit 5 Aufrufe

Ladekarte kündigen: Wann sich der Ladevertrag wirklich noch lohnt

E-Auto lädt an einer öffentlichen Ladesäule, Fahrer bezahlt kontaktlos mit Karte am Terminal

Ein Blick auf den Kontoauszug: 5,99 € Grundgebühr. Im Monat davor auch. Und im Monat davor. Geladen hast du öffentlich zuletzt im Juni, auf dem Weg zu deinen Eltern, einmal für 32 kWh. Macht rechnerisch rund 24 Cent Aufschlag pro Kilowattstunde – nur fürs Dabeihaben der Karte.

So sieht der Alltag bei vielen Ladeverträgen aus. Abgeschlossen wurde die Karte in einer Phase, in der öffentliches Laden ohne Vertrag als Abzocke galt. Diese Phase ist vorbei. Hier steht, wie du sauber aus dem Vertrag kommst – und ab welcher Lademenge du besser drinbleibst.

Warum das Abo-Argument schwächer wird

Die klassische Rechtfertigung für ein Ladeabo lautet: Ad-hoc, also spontanes Laden ohne Vertrag direkt mit Bank- oder Kreditkarte, ist immer der teuerste Weg. Das stimmt heute deutlich seltener als noch vor zwei Jahren.

Der Grund ist banal: Es stehen inzwischen mehr Ladepunkte herum, als gebraucht werden. Der durchschnittliche DC-Preis fürs Schnellladen ist laut Marktdaten des Analysehauses Cirrantic seit Oktober 2024 von 75 auf 65 Cent pro Kilowattstunde gefallen – nachzulesen in der Auswertung, über die ecomento berichtet. Anfang 2023 teilten sich noch 122 E-Autos einen HPC-Ladepunkt, Anfang 2026 nur noch 56. Und laut BDEW waren im Schnitt gerade einmal 12 Prozent aller Ladepunkte gleichzeitig belegt.

Leere Säulen kosten Geld. Also senken Betreiber die Preise, legen Rabattaktionen auf – und drücken gleichzeitig Abo-Tarife in den Markt, um Kunden zu binden. Das ist der eigentliche Zweck der Grundgebühr: Sie ist kein Rabatt, sie ist eine Leine.

Rechne nach, bevor du kündigst

Die Frage ist simpel: Wie viele Kilowattstunden musst du im Monat öffentlich laden, damit die Ersparnis pro kWh die Grundgebühr wieder einspielt? Eine typische Konstellation – 5,99 € im Monat, dafür 39 statt 55 Cent pro kWh – sieht so aus:

Öffentlich geladen pro Monat Ad-hoc (55 ct/kWh) Abo (5,99 € + 39 ct/kWh) Ergebnis
20 kWh 11,00 € 13,79 € Abo 2,79 € teurer
40 kWh 22,00 € 21,59 € praktisch gleich
100 kWh 55,00 € 44,99 € Abo 10,01 € günstiger
200 kWh 110,00 € 83,99 € Abo 26,01 € günstiger

Der Kipppunkt liegt bei rund 37 kWh im Monat – etwa eine halbe Akkuladung eines Kompaktwagens. Wer zu Hause oder beim Arbeitgeber lädt und öffentlich nur nachtankt, liegt fast immer darunter.

Aber die Tabelle hat einen Haken, und der ist wichtiger als die Zahlen selbst: Sie unterstellt, dass Ad-hoc pauschal 55 Cent kostet. Tut es nicht.

Der eigentliche Hebel: du siehst den Preis vorher

In unseren Live-Daten reicht die Spanne beim Ad-hoc-Laden je nach Standort und Betreiber von rund 29 Cent bis über 70 Cent pro Kilowattstunde. Das ist mehr als Faktor zwei – an Säulen, die manchmal nur ein paar Straßen auseinanderliegen. Wer in Nürnberg vor dem Einstecken kurz auf die Karte schaut, zahlt für dieselben 40 kWh eben 12 € statt 28 €.

Und genau hier kippt die Abo-Rechnung. Wenn dein realer Ad-hoc-Schnitt nicht bei 55, sondern bei 42 Cent liegt, weil du die teuren Säulen einfach auslässt, verschiebt sich der Kipppunkt auf über 200 kWh im Monat. Dann lohnt sich die Karte nur noch für Vielfahrer ohne eigene Lademöglichkeit.

Der einzige echte Nachteil des Ad-hoc-Ladens war immer: Du erfährst den Preis erst an der Säule. Das ist der Punkt, an dem LadeSofort ansetzt. Wir zeigen den Ad-hoc-Preis vor dem Losfahren, dazu die Live-Verfügbarkeit und Störungsmeldungen aus der Community. Kein Konto, keine Grundgebühr, keine Karte im Portemonnaie – die App gibt es kostenlos für iOS und Android, und wer eine längere Strecke plant, legt sie im Routenplaner gleich entlang der günstigen Säulen an.

Person vergleicht auf dem Smartphone die Ad-hoc-Ladepreise mehrerer Ladesäulen in der UmgebungPreis vor dem Einstecken statt Überraschung auf der Rechnung. 

So kündigst du – und was dir das Gesetz dabei hilft

Ladeverträge sind Dauerschuldverhältnisse wie ein Handyvertrag. Zwei Regeln aus dem Gesetz für faire Verbraucherverträge machen dir das Kündigen leichter, als die meisten wissen:

  • Kündigungsbutton: Wer einen solchen Vertrag online abschließen lässt, muss laut § 312k BGB auch eine gut sichtbare Schaltfläche zum Kündigen anbieten. Fehlt sie oder ist sie versteckt, kannst du jederzeit und fristlos kündigen.
  • Ein Monat nach der Verlängerung: Verlängert sich dein Vertrag stillschweigend, darf die Kündigungsfrist danach höchstens einen Monat betragen. Eine automatische Bindung um weitere zwölf Monate ist unzulässig.

Praktisch heißt das: Suche in der App oder im Kundenkonto nach „Vertrag hier kündigen“. Schreib dir Datum und Bestätigungsmail weg. Prüf die letzte Abrechnung – bei manchen Anbietern läuft das Guthaben oder eine Kartensperre nicht automatisch mit. Und lass die physische Karte ruhig im Handschuhfach: Manche Tarife funktionieren nach der Kündigung als reine Ad-hoc-Zahlweise weiter, nur eben ohne Rabatt.

Wann du drinbleiben solltest

Ehrlichkeit gehört dazu: Es gibt Fälle, in denen der Vertrag die bessere Wahl ist. Wenn du regelmäßig lange Strecken fährst, keine Lademöglichkeit zu Hause hast und dein Tarif genau an den Säulen greift, die auf deiner Strecke stehen, sparst du damit real Geld – siehe die letzten beiden Zeilen der Tabelle.

Nur solltest du diesen Fall an drei Punkten gegenprüfen, bevor du ihn für dich reklamierst. Erstens: Gilt der günstige Preis auch im Roaming, also an fremden Säulen? Dort schlagen viele Tarife kräftig auf. Zweitens: Gilt er im Ausland? Im Urlaub endet der Heimatvorteil oft an der Grenze. Drittens: Wie viele Apps hast du inzwischen auf dem Handy, weil kein Anbieter allein reicht? Der App-Zoo ist der versteckte Preis des Vertragsmodells.

Ein Tarif für alles wäre der Normalzustand, den wir vom Tanken kennen. Genau den liefert kein Ladeanbieter – sondern die Bankkarte an der Säule.

Fazit

Wenn du im Monat weniger als etwa 40 kWh öffentlich lädst, arbeitet die Grundgebühr gegen dich. Kündige über den Kündigungsbutton, notiere dir die Bestätigung, und lade danach ad hoc mit Karte – aber schau vorher auf den Preis, sonst verschenkst du genau den Vorteil, für den du gekündigt hast. Wer wissen will, wie weit die Preise auseinanderliegen: Unsere Übersicht zu den Kosten beim Ad-hoc-Laden zeigt das Niveau, und der Ratgeber E-Auto laden ohne Ladekarte erklärt, welche Bezahlwege an welchen Säulen funktionieren.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich ein Ladeabo mit Grundgebühr?

Bei 5,99 € Grundgebühr und 16 Cent Ersparnis pro kWh liegt der Kipppunkt bei rund 37 kWh öffentlich geladenem Strom im Monat. Darunter zahlst du drauf. Rechnest du mit einem realistischen Ad-hoc-Schnitt von 42 statt 55 Cent, weil du teure Säulen meidest, verschiebt sich der Kipppunkt auf über 200 kWh.

Wie schnell komme ich aus einem Ladevertrag heraus?

Nach einer stillschweigenden Verlängerung darf die Kündigungsfrist höchstens einen Monat betragen. Fehlt auf der Website des Anbieters der gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsbutton nach § 312k BGB oder ist er nicht auffindbar, kannst du sogar jederzeit und ohne Frist kündigen.

Kann ich nach der Kündigung noch an denselben Säulen laden?

Ja. Öffentliche Ladepunkte sind nicht an einen Vertrag gebunden. Du zahlst dort ad hoc mit Giro-, Kredit- oder Debitkarte, per Apple Pay oder Google Pay oder über einen QR-Code – zum Ad-hoc-Preis des jeweiligen Betreibers, ohne Anmeldung.

Was passiert mit Restguthaben auf der Ladekarte?

Das hängt vom Anbieter ab und steht in den AGB. Prüfe vor der Kündigung dein Kundenkonto und die letzte Abrechnung, und fordere Guthaben schriftlich zurück. Bewahre die Kündigungsbestätigung auf, bis die Schlussrechnung vorliegt.

Tags:
ad-hoc-laden Ladekarte Ladepreise Ladetarife Verbraucherschutz

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