Vorautorisierung an der Ladesäule: Warum plötzlich 70 Euro blockiert sind
Nein, die Ladesäule hat dir keine 70 Euro abgebucht. Sie hat sie reserviert – und das ist etwas ganz anderes, auch wenn die Banking-App das selten erklärt. Wer zum ersten Mal spontan mit Karte lädt, sieht auf dem Konto plötzlich einen Betrag, der mit der geladenen Strommenge nichts zu tun hat. Was da wirklich passiert, wie lange es dauert und ab wann du dich beim Betreiber melden solltest.
Was bei der Vorautorisierung passiert
Ad-hoc-Laden heißt: Du fährst an eine beliebige Säule, zahlst direkt mit Debit- oder Kreditkarte, ohne Vertrag und ohne Anbieter-App. Genau da liegt das technische Problem. In dem Moment, in dem du die Karte ans Terminal hältst, weiß die Säule noch nicht, ob du für 4 oder für 34 Euro lädst. Sie muss aber sicher sein, dass die Karte am Ende deckt.
Also fragt das Bezahlterminal bei deiner Bank einen festen Betrag an und lässt ihn sperren. Dieser Betrag wird nicht abgebucht. Er verschwindet nur aus deinem verfügbaren Rahmen – bei der Kreditkarte taucht er als „vorgemerkt“ auf, beim Debitkonto als reservierte Summe. Erst wenn du absteckst, meldet der Betreiber den echten Verbrauch, die Bank bucht diesen Betrag ab und löst die Sperre auf.
Dass beide Vorgänge kurz nebeneinander im Konto stehen, ist normal. Zwei Abbuchungen sind es nicht.
Wie hoch der Betrag ist – und warum er schwankt
Es gibt keine gesetzliche Obergrenze, jeder Betreiber legt seine Höhe selbst fest. Aral pulse etwa nennt in seinen FAQ zum Bezahlen an der Ladestation 69 Euro bei Zahlung über die App und 70 Euro beim kontaktlosen Bezahlen am Terminal. Andere Anbieter liegen darunter, an einzelnen Schnellladern werden auch dreistellige Beträge gemeldet.
Die Logik dahinter ist simpel: Die Reservierung soll den teuersten realistischen Ladevorgang abdecken. Ein großer Akku mit 90 kWh und ein Preis von 79 Cent je Kilowattstunde ergeben rund 70 Euro – und schon steht die Zahl. An einer AC-Ladelaterne, an der in zwei Stunden höchstens 20 kWh fließen, fällt sie meist deutlich niedriger aus.
| Bezahlweg | Reservierung vorab? | Größenordnung | Wann wieder frei |
|---|---|---|---|
| Kontaktlos mit Kredit-/Debitkarte am Terminal | ja | oft um 70 Euro (Aral pulse: 70 Euro) | Stunden bis wenige Werktage |
| Betreiber-App mit hinterlegter Karte | ja | ähnlich (Aral pulse: 69 Euro) | Stunden bis wenige Werktage |
| Ladekarte mit Vertrag (RFID) | in der Regel nein | – | Abrechnung per Monatsrechnung |
| QR-Code mit Direktzahlung | meist ja | je nach Bezahldienstleister | Stunden bis wenige Werktage |
Wichtig: Die Höhe der Reservierung sagt nichts über den Preis an dieser Säule aus. 70 Euro geblockt heißt nicht 70 Euro teuer – und leider auch nicht, dass der Kilowattstundenpreis fair ist.
Wann das Geld zurückkommt
Die Sperre ist kein rechtsfreier Raum. Die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, deren Rahmen die Deutsche Bundesbank erläutert, regelt in Artikel 75 ausdrücklich den Fall, dass der genaue Betrag beim Bezahlen noch nicht feststeht – klassisch am Tankautomaten, im Hotel, beim Mietwagen. Blockiert werden darf nur ein Betrag, dessen Höhe du gebilligt hast, und die Sperre muss unverzüglich aufgehoben werden, sobald der tatsächliche Betrag bekannt ist.
In der Praxis hängt es an der Kette Betreiber → Bezahldienstleister → Bank. Meist ist der Betrag nach ein paar Stunden bis drei Werktagen weg. Bei Kreditkarten fällt das kaum auf, weil nur der Verfügungsrahmen betroffen ist. Bei einer Debitkarte fehlt das Geld real auf dem Konto – wer knapp kalkuliert, sollte das im Urlaub einplanen, wenn mehrere Ladestopps am Tag zusammenkommen.
Wenn die Reservierung hängen bleibt
Manchmal löst sich die Sperre nicht auf, typischerweise nach einem abgebrochenen Ladevorgang. Dann hilft der Reihe nach:
- Beleg sichern: Ladepunkt-ID (steht auf dem Aufkleber an der Säule), Datum, Uhrzeit, geladene Menge. Ein Foto reicht.
- Drei Werktage abwarten. Vorher lohnt keine Reklamation, die Freigabe läuft oft automatisch nach.
- Beim Betreiber melden, nicht bei der Bank – nur er kann die Buchung final abschließen. Steht auf der Säule nur ein Logo, hilft die Betreiberübersicht in der App weiter.
- Erst danach die Bank einschalten und der Reservierung widersprechen.
- Ist die Säule selbst der Auslöser, lohnt der Blick in unseren Ratgeber zu Fehlerbildern an defekten Ladesäulen – ein Abbruch mitten im Vorgang ist die häufigste Ursache für hängende Sperren.
Kein Grund, zur Vertragskarte zurückzugehen
Ehrlich bleiben: Bei Vertragskarten gibt es keine Vorautorisierung, weil der Anbieter dich kennt und monatlich abrechnet. Das ist der eine Punkt, an dem eine Ladekarte im Alltag bequemer ist. Nur bezahlst du diese Bequemlichkeit mit dem ganzen Paket dahinter – Grundgebühr, Roaming-Aufschläge an fremden Säulen, eine weitere App pro Land und Preise, die du erst nach dem Laden schwarz auf weiß siehst.
Die Reservierung ist temporär. Ein schlechter Tarif ist es nicht. Deshalb bleibt Ad-hoc-Laden mit Karte für uns die Standardlösung: hinfahren, zahlen, weiterfahren – ohne Vertrag, ohne Abo, ohne Anbieter-App. Wer das lieber ganz ohne Plastik im Portemonnaie will, findet die Alternativen in unserem Überblick zum Laden ohne Ladekarte.
An groesseren Ladeparks stehen Saeulen mehrerer Betreiber nebeneinander – mit teils deutlich unterschiedlichen Preisen.
Was du vorher wissen solltest, sieht du bei uns
Der einzige echte Nachteil beim Ad-hoc-Laden ist nicht die Reservierung, sondern der Preis-Blindflug: An vielen Säulen erfährst du den Kilowattstundenpreis erst nach dem Antippen. Genau das löst die LadeSofort-Karte – sie zeigt den Ad-hoc-Preis vorab, dazu die Verfügbarkeit in Echtzeit.
In unseren Daten liegen die Ad-hoc-Preise je nach Betreiber und Standort zwischen rund 29 und über 70 Cent je Kilowattstunde. Auf eine typische Ladung von 40 kWh gerechnet sind das etwa 12 Euro an der günstigen Säule und über 28 Euro an der teuren – bei identischer Reservierung von 70 Euro. Wer in Leipzig zwischen mehreren Schnellladern wählen kann, spart mit einem Blick auf die Karte schnell den Gegenwert eines Abendessens. Für längere Strecken plant der Routenplaner die Stopps gleich mit ein; die App gibt es kostenlos für iOS und Android.
Fazit
Die Vorautorisierung ist eine Sicherheitsvorkehrung deiner Bank, kein Preis und keine Gebühr. Sie löst sich in der Regel innerhalb weniger Werktage von selbst auf. Rechne bei Debitkarten mit einem Puffer auf dem Konto, sichere nach jedem Ladevorgang kurz den Beleg – und prüfe den Preis lieber vorher auf der Karte als hinterher auf der Abrechnung.
Häufige Fragen
Wie viel wird an der Ladesäule vorautorisiert?
Das legt jeder Betreiber selbst fest. Aral pulse nennt in seinen FAQ 69 Euro bei App-Zahlung und 70 Euro beim kontaktlosen Bezahlen am Terminal. An AC-Ladepunkten sind die Beträge meist niedriger, an einzelnen Schnellladern auch höher. Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht.
Wie lange dauert es, bis der reservierte Betrag wieder frei ist?
Meist wenige Stunden bis drei Werktage. Nach der EU-Zahlungsdiensterichtlinie muss die Sperre unverzüglich aufgehoben werden, sobald der tatsächliche Betrag feststeht. Verzögert sich das deutlich, liegt es fast immer an der Kette aus Betreiber, Bezahldienstleister und Bank.
Wird der reservierte Betrag zusätzlich abgebucht?
Nein. Abgebucht wird nur der tatsächlich geladene Strom. Dass Reservierung und echte Buchung kurzzeitig nebeneinander im Konto stehen, ist normal und keine Doppelbelastung. Bleiben beide Posten dauerhaft stehen, zuerst den Ladesäulenbetreiber kontaktieren.
Kann ich die Vorautorisierung vermeiden?
Nur mit einer vertragsgebundenen Ladekarte, die monatlich abrechnet – dafür handelst du dir Grundgebühr, Roaming-Aufschläge und Anbieterbindung ein. Wer spontan lädt, sollte stattdessen einfach etwas Puffer auf dem Konto lassen, besonders bei Debitkarten im Urlaub.