BP Pulse in den Niederlanden: E.ON Drive übernimmt das Schnellladenetz
79 Standorte, 370 Ladepunkte, ein neuer Name: E.ON Drive Infrastructure hat das Schnellladenetz von BP Pulse in den Niederlanden übernommen und betreibt es künftig unter der Marke Essent. Am Urlaubs-Stopp an der A12 ändert sich dadurch zunächst wenig. Die Übernahme zeigt aber, wie schnell sich Namen, Eigentümer und Apps im Ladegeschäft drehen – und warum Bezahlen ohne Vertrag die ruhigere Variante ist.
Was E.ON Drive in den Niederlanden übernimmt
Die Meldung kam am 9. Oktober 2026 über electrive.net. Kaufpreis und Vertragsdetails nennen die Beteiligten nicht. Bekannt sind diese Eckdaten:
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Standorte / Ladepunkte | 79 Standorte, 370 Ladepunkte (im Schnitt knapp 5 pro Standort) |
| Neue Marke | Essent, an der Säule mit dem Zusatz „Operated by E.ON Drive“ |
| Technik | Alpitronic-Schnelllader bis 300 kW, laut Betreibern rund 80 % in etwa 20 Minuten |
| Standortmix | 17 Mega Charging Hubs, 51 Standorte mit batteriegepufferten Ladern, überwiegend an OK-Tankstellen |
| Ausbau | 45 gesicherte Flächen für neue Hubs |
| Bestehendes E.ON-Netz | 46 Schnellladepunkte, ebenfalls künftig unter Essent |
Rechnerisch laufen damit rund 416 Schnellladepunkte unter einem Namen zusammen. Die Tankstellen selbst hat Catom übernommen und führt sie als OK weiter – BP zieht sich in den Niederlanden aus Tankstellen- und Ladegeschäft zurück.
Spannend sind die batteriegepufferten Lader: Sie laden ihren Speicher über kleine Netzanschlüsse und geben die Leistung dann stoßweise ab. Das macht Standorte möglich, an denen das Netz sonst zu schwach wäre. Ob die 300 kW auch bei voller Auslastung am Standort anliegen, sagt die Meldung nicht. Das wird sich erst im Alltag zeigen.
BP zieht sich aus Europa zurück
Die Niederlande sind kein Einzelfall. Laut electrive übernimmt Sorégies in Frankreich über 600 BP-Pulse-Ladepunkte, in Österreich geht ein Paket aus 250 Tankstellen samt Ladeinfrastruktur und Flottengeschäft an Volenergy. In Deutschland bleibt BP über Aral Pulse im Ladegeschäft. Für dich heißt das: Auch bekannte Ladenamen sind keine Konstante. Wer in der Urlaubsplanung auf „seinen“ Anbieter setzt, steht vor Ort womöglich vor einer Säule mit anderem Logo.
Bezahlen: Karte reicht, ein Konto brauchst du nicht
An den Essent-Standorten lässt sich laut Betreibern mit gängigen Ladekarten und Apps laden, außerdem kontaktlos mit Kredit- oder Debitkarte. Ehemalige BP-Pulse-Kunden dürfen ihre Karten und Apps weiter nutzen. Preise enthält die Meldung nicht; wie die neue Marke ihre Tarife aufstellt, ist offen.
Unsere Haltung dazu ist klar: Für zwei Wochen Urlaub ist Ad-hoc der bessere Weg. Du fährst an die Säule, hältst die Karte ans Terminal, lädst und fährst weiter. Kein Abo, keine zusätzliche App, kein Risiko, dass sich unterwegs der Betreiber unter dir wegdreht. Bei Ladekarten und Apps liegt das Risiko dagegen beim Kunden: Eigentümerwechsel, neue Marken und geänderte Konditionen laufen über deren Köpfe hinweg. Der Haken beim Ad-hoc-Laden bleibt, dass der Preis oft erst am Terminal sichtbar wird. Genau dafür gibt es unsere Karte, mehr dazu im Ad-hoc-Ratgeber.
Rechtlich stützt das die EU: Die AFIR-Verordnung schreibt für neue und erneuerte Schnelllader ab 50 kW seit April 2024 Kartenzahlung vor. Bei Standorten dieser Größenordnung solltest du also ohne Registrierung bezahlen können.
Was unsere Daten dazu sagen
Ehrlich vorweg: Die Niederlande sind bei uns noch dünn abgebildet. Aktuell zeigt die Übersicht der Ladestationen in den Niederlanden 52 Standorte, davon 39 Schnelllader, bei 15 Betreibern und Preisen zwischen 0,13 und 0,85 €/kWh. Das ist ein Bruchteil des Netzes: Die staatliche Energieagentur RVO zählte Ende 2025 rund 210.000 öffentliche Ladepunkte (Details im Niederlande-Ratgeber). Unter den größten Betreibern unserer Auswertung tauchen weder BP Pulse noch Essent auf.
In Deutschland sieht es anders aus. E.ON Drive Infrastructure kommt in unserer Datenbank auf 450 Stationen mit einem Durchschnitt von rund 0,69 €/kWh (Spanne 0,48 bis 0,79 €/kWh, Stand 10.10.2026). Aral Pulse liegt bei 592 Stationen und im Schnitt rund 0,80 €/kWh (0,59 bis 0,96 €/kWh). Wenn Essent in den Niederlanden ähnlich bepreist wie E.ON in Deutschland, wäre das im Rahmen der HPC-Preise, die wir dort sehen. Belegt ist das nicht, es bleibt eine Vermutung, bis Essent Tarife veröffentlicht.
Was du für den nächsten Niederlande-Trip mitnimmst
Plane die Route mit dem Routenplaner und such dir zwei Schnelllader als Alternative aus, statt dich auf einen Namen zu verlassen. Die Karte zeigt dir Preise und Verfügbarkeit, bevor du einsteckst. Und nimm die Bankkarte mit, die im Ausland ohne Gebühren funktioniert. Mehr braucht es an den neuen Essent-Standorten nach heutigem Stand nicht.
Häufige Fragen
Wer betreibt die früheren BP-Pulse-Ladesäulen in den Niederlanden jetzt?
E.ON Drive Infrastructure übernimmt die 79 Standorte mit 370 Ladepunkten und betreibt sie unter der Marke Essent. An den Säulen steht zusätzlich „Operated by E.ON Drive“. Die Meldung stammt vom 9. Oktober 2026.
Kann ich an den neuen Essent-Ladern ohne Ladekarte bezahlen?
Laut Betreibern ja: Neben Ladekarten und Apps ist kontaktloses Bezahlen mit Kredit- oder Debitkarte möglich. Preise nennt die Meldung nicht, schau sie dir deshalb vor dem Laden an.