News 02. October 2026 5 Min. Lesezeit 8 Aufrufe

Kilometersteuer für E-Autos: Was diskutiert wird und was sie an der Ladesäule kosten würde

Elektroauto lädt an einer Ladesäule an einer deutschen Landstraße – Thema Kilometersteuer für E-Autos

Zahlen E-Auto-Fahrer bald pro gefahrenem Kilometer? In Großbritannien ist genau das für 2028 geplant, und in Deutschland wird darüber gesprochen. Die kurze Antwort für heute: Beschlossen ist hierzulande nichts. Es gibt Ideen, Studien und Vorbilder im Ausland – aber keinen Gesetzentwurf. Weil das Thema trotzdem viele beschäftigt, ordnen wir es ein und rechnen nach, was eine solche Abgabe an der Ladesäule bedeuten würde. Stand: 2. Oktober 2026.

Was in Deutschland wirklich auf dem Tisch liegt

Zuerst das Gesicherte: Reine Elektroautos, die bis zum 31. Dezember 2030 erstmals zugelassen werden, sind von der Kfz-Steuer befreit – höchstens zehn Jahre, längstens bis Ende 2035. Das hat der Bundestag am 4. Dezember 2025 beschlossen. Politisch will der Staat E-Autos also gerade noch fördern.

Parallel läuft eine Fachdebatte über die Zeit danach. Laut mobiflip vom 28. August 2026 haben der Wissenschaftliche Beirat des Verkehrsministeriums, das Umweltbundesamt und Agora Verkehrswende Modelle ins Gespräch gebracht: eine Kilometerabgabe oder einen Aufschlag auf den Ladestrom. Und laut ZDFheute vom 25. September 2026 nimmt der Staat derzeit rund 51,2 Milliarden Euro pro Jahr aus der Nutzung und dem Halten von Pkw ein; der Münsteraner Verkehrswissenschaftler Gernot Sieg erwartet, dass sich diese Einnahmen ohne Reform bis 2050 etwa halbieren. Eine Entscheidung gibt es nicht.

Warum die Frage überhaupt aufkommt

Der Grund ist simpel: Wer Benzin tankt, zahlt Energiesteuer auf jeden Liter. Wer Strom lädt, zahlt auf die Kilometer praktisch nichts. AutoBild rechnet vor: Ein Benziner mit sieben Litern Verbrauch zahlt rund 4,58 Euro Energiesteuer pro 100 Kilometer, bei 15.000 Kilometern im Jahr etwa 687 Euro. Ein E-Auto trägt über die Stromsteuer nur gut 40 Cent pro 100 Kilometer bei. Mit jedem E-Auto, das einen Verbrenner ersetzt, wächst diese Lücke im Staatshaushalt.

Wie es andere Länder machen

Das Ausland liefert die Vorlagen. Großbritannien plant ab April 2028 eine Abgabe von 3 Pence pro Meile für E-Autos, für Plug-in-Hybride die Hälfte. Laut House of Commons Library ist das Gesetz noch nicht verabschiedet; die Regierung rechnet mit 1,1 Milliarden Pfund Einnahmen im ersten Jahr. Umgerechnet sind das gut 2 Cent pro Kilometer. Island erhebt bereits eine Kilometerabgabe (laut mobiflip rund 5 Cent pro Kilometer), Neuseeland eine Straßennutzungsgebühr auch für E-Autos.

Dass die Debatte in Deutschland weitergeht, ist wahrscheinlich: Die Lücke wächst, und die Beispiele sind da. Ob, wann und in welcher Form hier etwas kommt, ist offen – auch weil Kilometerabgabe, Strom-Aufschlag und eine reformierte Kfz-Steuer ganz unterschiedliche Folgen haben.

Zwei Ladesäulen mit unterschiedlichem Preisniveau: Supermarktparkplatz und AutobahnraststätteDerselbe Strom, zwei Preisniveaus: Supermarkt-Säule und Raststätten-Säule

Die Rechnung: Was eine Abgabe an der Säule bedeuten würde

Wir rechnen mit 18 kWh pro 100 Kilometer und dem Ad-hoc-Durchschnittspreis aus unserer Datenbank: Am 2. Oktober 2026 liegt er bei 0,47 Euro je Kilowattstunde über 1.083 Betreiber und 36.629 Ad-hoc-Ladestationen. Das sind heute 8,46 Euro pro 100 Kilometer. Die Abgaben sind reine Szenarien auf Basis der genannten Auslandsmodelle, keine Prognose:

Szenario (alles pro 100 km) Abgabe Gesamtkosten
Heute, Ad-hoc-Durchschnitt – 8,46 €
Britisches Modell (ca. 2,2 ct/km) 2,20 € 10,66 €
Isländisches Modell (ca. 5 ct/km) 5,00 € 13,46 €
Obergrenze der diskutierten Spanne (6,5 ct/km) 6,50 € 14,96 €
Zum Vergleich: Benzin, 7 l/100 km (E10 2,267 €/l) – 15,87 €

Der Benzinpreis ist der ADAC-Wochenschnitt für Super E10 vom 23. September 2026 (2,267 Euro je Liter). Ein E-Auto bliebe auch mit Abgabe im Schnitt günstiger als ein Benziner, wenn man ad hoc an einer durchschnittlichen Säule lädt.

Was mehr ausmacht als jede Abgabe: die Säule

Die spannendere Zahl steht nicht in der Tabelle. Bei Aldi Süd liegt der Ad-hoc-Schnitt bei 0,39 Euro je kWh, bei Aral Pulse bei 0,80 Euro. Auf 100 Kilometer sind das 7,02 gegen 14,40 Euro: ein Unterschied von 7,38 Euro. Das ist mehr als eine britische Abgabe (2,20 Euro) – und es hängt allein davon ab, wo du lädst, nicht davon, was der Gesetzgeber beschließt.

Genau deshalb lohnt es sich, den Preis vor dem Abbiegen zu kennen. Auf der LadeSofort-Karte siehst du den Ad-hoc-Preis je kWh pro Säule, ohne Konto und ohne Vertrag. Mehr zu Preisniveau und Gründen steht in unserer Auswertung Was Ad-hoc-Laden wirklich kostet, weitere Spartipps im Beitrag günstig E-Auto laden. Und unser Überblick zum Laden ohne Vertrag zeigt, wie es ohne App und Abo funktioniert. In Hannover zum Beispiel reicht ein Blick auf die Karte, um günstige von teuren Säulen zu trennen.

Und jetzt?

Heute musst du nichts tun. Die Steuerbefreiung gilt, eine Kilometerabgabe ist nicht beschlossen. Wer ein E-Auto kauft, kann mit den geltenden Regeln rechnen und sollte die Ladepreise im Blick behalten, denn dort liegen die größeren Hebel. Wir halten das Thema im Auge und aktualisieren diesen Beitrag, sobald aus der Debatte ein Gesetzentwurf wird.

Häufige Fragen

Gibt es in Deutschland eine Kilometersteuer für Elektroautos?

Nein. Es gibt Diskussionen und Vorschläge, aber weder einen Gesetzentwurf noch eine Entscheidung. Reine E-Autos sind sogar von der Kfz-Steuer befreit.

Wer bringt eine Kilometerabgabe ins Gespräch?

Laut mobiflip (28.08.2026) haben der Wissenschaftliche Beirat des Verkehrsministeriums, das Umweltbundesamt und Agora Verkehrswende Modelle vorgeschlagen. Auch der Verkehrswissenschaftler Gernot Sieg nennt das britische Modell interessant für Deutschland.

Zahlen E-Autos in Deutschland Kfz-Steuer?

Reine E-Autos mit Erstzulassung bis zum 31. Dezember 2030 sind bis zu zehn Jahre befreit, längstens bis Ende 2035. Plug-in-Hybride sind nicht befreit.

Wie viel würde eine Kilometerabgabe kosten?

Das ist offen. Das britische Modell (3 Pence pro Meile) entspräche etwa 2,20 Euro pro 100 Kilometer, ein Satz wie in Island rund 5 Euro. Bei 15.000 Kilometern im Jahr wären das etwa 330 beziehungsweise 750 Euro.

Würde sich ein E-Auto trotzdem lohnen?

Im Schnitt ja: Mit britischer Abgabe kämen wir bei Ad-hoc-Laden zum Durchschnittspreis auf etwa 10,66 Euro pro 100 Kilometer, Benzin liegt bei etwa 15,87 Euro. Entscheidend bleibt der Ladepreis: Zwischen Aldi Süd und Aral Pulse liegen rund 7 Euro pro 100 Kilometer.

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