Roaming-Falle: Über 2.000 Euro für einen Ladevorgang am Flughafen Graz
Zwei Tage Geschäftsreise, das E-Auto blieb am Flughafen Graz an der Säule stecken – und am Ende stand eine Rechnung von über 2.000 Euro im Raum. Der Fall aus der Steiermark, den electrive am 29. September 2026 aufgegriffen hat, zeigt sehr genau, wo Roaming-Karten gefährlich werden können.
Was in Graz passiert ist
Ein Grazer stellte sein Auto vor einer Dienstreise am Flughafen ab und ließ es zwei Tage am Ladepunkt. Bezahlt hat er nicht direkt an der Säule, sondern über eine Roaming-Karte eines Drittanbieters. Laut Bericht von meinbezirk.at rechnen solche Roaming-Anbieter teils nach Ladedauer ab, nicht nach der geladenen Strommenge. Wer zwei Tage steckt, zahlt dann zwei Tage.
Die Betreiber-Tarife am Flughafen sehen ganz anders aus: Die Moon-Säulen kosten bei Direktzahlung 0,48 Euro pro kWh, im Apcoa-Parkhaus P2 sind es 0,69 Euro pro kWh. Bei Apcoa gibt es 48 Stunden Karenzzeit, danach höchstens 17,28 Euro Blockiergebühr pro Tag. Der Name des Roaming-Anbieters ist nicht bekannt. Der Flughafen verweist darauf, dass er auf dessen Konditionen keinen Einfluss hat. Über eine Kulanzlösung wird gesprochen.
Was dieselbe Standzeit bei Ad-hoc kostet
Zur Einordnung eine eigene Beispielrechnung – die Lademenge ist angenommen: Lädt das Auto in den zwei Tagen 60 kWh nach, sind das an der Moon-Säule rund 28,80 Euro (60 × 0,48). Im Apcoa-Parkhaus wären es 41,40 Euro (60 × 0,69), und weil die 48 Stunden Karenzzeit gerade reichen, käme keine Blockiergebühr dazu. Selbst mit voller Tagesgebühr bleibt man weit unter 100 Euro. Der Unterschied zu 2.000 Euro ist kein Rundungsfehler, sondern das Abrechnungsmodell.
Ehrlich gesagt: Das ist der Grund, warum wir Ad-hoc-Laden mit EC- oder Kreditkarte für den sicheren Normalfall halten. Der Preis und die Regeln stehen vorher fest, und es gibt keinen Vertragspartner dazwischen, dessen Tarifblatt man nie gelesen hat. Wie das Bezahlen ohne Vertrag funktioniert, erklärt unser Ad-hoc-Ratgeber.
Vier Regeln, wenn das Auto lange steht
- Vor dem Abstellen den Tarif der Säule und der Karte prüfen – besonders auf Flughafen-, Bahnhofs- und Parkhaus-Ladepunkten.
- Bei Roaming-Karten nach zeitbasierten Preisen und Standgebühren suchen. Unser Hintergrundartikel zu Roaming und Aufschlägen im Fremdnetz zeigt, wo die Stolperfallen liegen.
- Für mehrtägiges Parken lieber normal parken und nur laden, solange du dabei bist. Was Blockiergebühren bedeuten, steht im Beitrag zur Blockiergebühr beim E-Auto-Laden.
- Vorab den Ladepunkt auf der Karte ansehen: In der LadeSofort-Live-Preis-Karte siehst du bei vielen Säulen den Ad-hoc-Preis, bevor du dort ankommst. Für Reisen nach Österreich lohnt ein Blick auf die Ladestationen in Österreich, zum Beispiel in Graz.
Unser Fazit
Ein Einzelfall, aber ein lehrreicher: Nicht die Säule war teuer, sondern die Abrechnung über eine Karte, deren Bedingungen an der Säule nicht standen. Ob die Kulanzlösung greift, ist offen. Wer Preise vorher sehen und direkt zahlen kann, hat dieses Risiko schlicht nicht.
Häufige Fragen
Wie kann ein Ladevorgang über 2.000 Euro kosten?
Im Grazer Fall rechnete der Roaming-Anbieter nach Ladedauer statt nach Strommenge ab. Bei zwei Tagen am Ladepunkt läppert sich das, während die Direktzahlung an der Säule nur wenige Dutzend Euro gekostet hätte.
Wie vermeide ich zeitbasierte Roaming-Kosten?
Vor dem Laden den Tarif deiner Karte prüfen, auf Standzeit- und Minutenpreise achten und bei langem Parken nicht angesteckt lassen. Ad-hoc-Zahlung per EC- oder Kreditkarte zeigt den Preis vorab an der Säule.
Wie lange darf ich am Flughafen Graz kostenlos stehen?
Bei Apcoa im Parkhaus P2 gelten laut Bericht 48 Stunden Karenzzeit, danach höchstens 17,28 Euro pro Tag. Die Moon-Säulen rechnen bei Direktzahlung nach Lademenge ab.